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DAS ENDE DER REISE: DIE ZIVILISATION
Nach einer einmonatigen Reise kamen wir mit unserem Land Segler endlich in der Zivilisation der argentinischen Haupstadt, Buenos Aires, an: Stromleitungen und der zunehmende Verkehr machten zu einem bestimmten Zeitpunkt das Vorankommen mit unmöglich.
Am Ende unserer Reise reihte sich unser Gefährt in den Alltag der Zivilisation ein. Ohne Wind, schiebend im Stau, gingen wir in der Großstadt unter.
WIEDER WINDSTILLE TAGE
SICH IN DER WEITE PATAGONIENS ZU VERLIEREN…
ES LÄUFT!!
Überholmanöver mit einem Segelboot auf der Straße!
SCHÖNE AUSSICHTEN
Endlich war wieder Wind angekündigt. Dieser war für patagonische Verhältnisse zwar immer noch schwach, aber da wir nun auf Asphalt unterwegs waren, kamen wir verhältnismäßig zügig voran. So brauchten wir ca. zwei Stunden, um 30 km zurück zu legen. Im Hintergrund sieht man den beeindruckenden Mountain Fitz Roy im El Chaltén Village.
IMPRESSIONEN – WARTEN AUF DEN WIND VOR TRAUMHAFTER KULISSE
Erik Schimschar im Einsatz
DIE POLIZEI: DEIN FREUND UND HELFER
Nachdem wir wieder auf die Schotterpiste der Ruta 40 zurück gekommen waren, war das Glück endlich mal auf unserer Seite: Guter Wind, nicht zu stark, nicht zu schwach und aus der richtigen Richtung — endlich konnten wir Strecke machen!
Eine große Steigung machte aber bald unser Vorankommen unmöglich. Der Wind war zu schwach, um das Boot mit knapp einer Tonne Eigengewicht den Berg hinauf zu schieben und um somit die hundert 150 Höhenmeter zu bewältigen. Selbst durch Schieben hätten wir, aufgrund des starken Rollwiederstands auf der Schotterpiste, kaum eine Chance gehabt diesen Berg ohne fremde Hilfe zu bewältigen. Mein Plan war es deshalb, so weit zu segeln bis die Kraft des Windes nicht mehr ausreichen würde. Ich hatte die Hoffnung, dass einer der wenigen Autofahrer, die hier stündlich an uns vorbei fuhren (bei denen wir ohnehin für große Aufmerksamkeit sorgten) anhalten würde und uns helfen würde, das Boot den Berg hinauf zu schleppen.
ERSTE LICHTBLICKE
Ein Farmer, der angehalten hatte, um sich zu erkundigen, ob alles O.K. sei, konnte uns zwei Adressen von Drehern und einem guten Mechaniker in Rio Gallegos geben. Das gab uns wieder etwas Hoffnung.
Die Nacht vor der Fahrt nach Rio Gallegos verbrachten wir auf einer Straßenwacht und Polizeiwache.
Martin, unseren Segelexperten, hatten wir schon am Tag zuvor mit einer starken Grippe hier in einem Bett untergebracht, um ihn vor den Strapazen des Windes und der Schotterpiste zu schonen. Entgegen jeder Erwartung saßen wir am Abend mit diesem Polizisten zusammen, der sich begeistert von unserem Segelabenteuer berichten lies.
Unsere Erwartungen im Vorfeld waren eher verhalten und von Befürchtungen geprägt, dass wir unentwegt Probleme mit der Polizei haben würden. Dass wir einem Polizisten sogar freiwillig unser Filmmaterial zeigen würden und gemeinsam einen lustigen Abend verbringen würden, hatte ich mir im Vorhinein überhaupt nicht vorstellen können.
In Rio Gallegos fanden wir mit den Adressen des Farmers sofort einen guten Mechaniker und Dreher, der sich unseres Landseglers annehmen wollte und eine Achse drehen wollte, die den Anforderungen der Ruta 40 gewachsen sein würde.
Nach 3 Tagen waren seine Umbauarbeiten beendet. Die Grippe ist in diesen Tagen leider auch auf mich übergesprungen, weshalb ich die meiste Zeit im Hotel verbrachte, um wieder zu Kräften zu kommen. Die unfreiwilligen Ruhetage kamen uns daher nicht ungelegen.
Voller Hoffnung kehrten wir zurück zur Ruta 40. Nun endlich sollte einmal richtig Stecke gemacht werden… Trotz erster Segelerfolge und schöner Bilder, waren wir bisher zu oft damit beschäftigt, Probleme zu lösen.
AUFGEBEN?
Ich wurde immer nervöser: windlose Tage, ein kaputtes Hinterrad, dazu ein Budget, das ich schon bei Weitem überzogen hatte und so langsam zu Geldnot führte. In diesem Augenblick hatte die Stimmung ihren Nullpunkt erreicht und ich war den Tränen nahe. Wir wussten weder, welche weiteren Kosten auf uns zu kommen würden, noch, ob wir eine Lösung finden würden, die der unglaublichen Belastung für das Hinterrad auf den Schotterpisten gewachsen sein würde. Auch war nicht abzusehen, wie viele Tage wir verlieren würden, um nach Rio Gallegos zu fahren, dort einen Handwerker zu finden und vor allem, wie lange dieser benötigen würde, um etwas Robustes für uns zu bauen. Hinzu kam noch ein Grippevirus, der einen Teil des Teams weiter schwächte.
Vielleicht sollte es einfach nicht sein?
Zu diesem Zeitpunkt war ich wohl nahe daran, einfach aufzugeben und zu akzeptieren, dass ein Boot wohl doch nicht dazu gemacht sei, über Land zu segeln. Seit ich mich an die Umsetzung dieses Projektes gemacht hatte, musste ich immer wieder mit neuen Problemen kämpfen… Aber auch bei mir gibt es ein Limit: Es gibt einen Punkt, an dem auch ich den Problemen nicht mehr gewachsen bin und mich einfach den Umständen fügen muss. Und diesem Punkt war ich nun sehr nahe.
…aber aufgeben? All diese Mühen und die Energie, die bis zu diesem Zeitpunkt in dieses Projekt geflossen sind, sollten vergebens sein? Es ist uns ja trotz alledem gelungen das Boot auf der Piste zum Segeln zu bringen. Und auch am Ende der Welt sollte es gute Handwerker geben! Oder gerade hier – denn ohne die Improvisationskünste mancher Handwerker kann man in diesen Landstrichen wohl kaum überleben. Mein Team war mir in dieser Situation die größte Stütze, denn es war nicht mehr nur meine Vision, weiter durch Patagonien zu segeln, sondern wir alle wollten, dass das Projekt weiter geht! Wir wollten und konnten es einfach nicht akzeptieren, dass das Projekt durch technische und finanzielle Probleme schon frühzeitig ein Ende findet.