Das Projekt (DE)

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ÜBER DIE IDEE UND SEINE UMSETZUNG

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Nach zwei Jahren intensiver Vorbereitung wird das, was lange absurd, unrealistisch, ja gar unmöglich schien, Wirklichkeit werden: Wir werden mit einem Segelboot, das mit Rädern ausgestattet wurde, über Land auf der Straße E40 vom südlichsten Zipfel Lateinamerikas durch die Pampa in Patagonien nordwärts Richtung Zivilisation segeln. So weit, wie mich der Wind vorwärts trägt, oder bis die Zivilisation mich durch ein zu großes Verkehrsaufkommen oder Polizisten stoppen wird. Für dieses Experiment wird ein fünfköpfiges Team, bestehend aus einem Ton- und Kameramann, einem Segelexperte, einem Co-Piloten und mir einen Monat lang unterwegs sein.

Als Resultat dieser Reise soll ein Film entstehen, der die Grenzen zwischen Performance, Kunstvideo und narrativem Dokumentarfilm auslotet und auf eine subtile Art und Weise die komplexen Verflechtungen zwischen unserer sozialen und natürlichen Umgebung aufzeigt.

LAND SAILOR ist ein Projekt des deutschen Videokünstlers Daniel Beerstecher. Wie die Idee zu dem Projekt entstand und wie das Projekt umgesetzt wurde, erfahren Sie hier:

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DIE IDEE
Sommer 2011

Karte mit Schiff E40

Erste Projekt-Collage (Route & Landsegler)

Angefangen hat alles 2011 in Sao Paulo, als ich ein einjähriges Auslandsstipendium an der Universidade de São Paulo im Bereich Film anfing. Schnell hatte sich bei mir in dieser Megametropole mit 20 Mio. Einwohnern — eingezwängt zwischen Hochhäusern, Beton, unter ständigem Geräuschpegel — die Sehnsucht nach Natur, Einsamkeit und unendlicher Weite eingestellt. Wüste, Meer, einsame Landschaften oder einfach die Sicht vom Gipfel eines Berges…Weite, in der der Blick durch nichts gestört wird und kaum einen Halt findet, hat mich schon immer fasziniert. Sao Paulo war das Gegenteil davon.

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Blick über Sao Paulo

Meine damalige Lebenssituation, die Betonwüste Sao Paulo, hatte wohl zu der Idee des LAND SAILOR-Projektes geführt. Großstädte faszinieren und inspirieren mich zwar, aber als großer Naturfreund stoße ich hier aber auch nach kurzer Zeit an meine Grenzen.

Mit einem Segelboot über die Landstraßen Patagoniens zu fahren und die Weite und die Extreme der Natur zu erfahren, ist für mich mehr als ein Abenteuer. Es ist der ungemeine Drang nach Freiheit und Ungebundenheit, den ich in der Natur schon so oft erfahren habe. Diese Weite und Freiheit gibt mir auch die Möglichkeit Projekte durchzuführen, mit deren Realisation ich innerhalb einer besiedelten und urbanen Gesellschaftsstruktur schnell an meine Grenzen stoßen würde.

Über Land Segeln. Ein einfacher Gedanke, der mich von diesem Moment an nicht mehr losgelassen hat. Welchen Umfang dieses Projekt aber haben würde; welche künstlerischen, technischen und finanziellen Hürden sich auftun würden, konnte ich damals noch nicht erahnen. Es war aber klar, dass es eine Expedition ins Ungewisse mit vielen offenen Fragen ist, die sich nur im Machen klären lassen:
lässt es sich der Landsegler technisch überhaupt realisieren? Wie weit werden wir in Patagonien kommen? Wie lässt sich ein solches Projekt überhaupt finanzieren? Wie reagieren die argentinischen Behörden und die Polizei darauf, wenn ein Segelboot auf der Straße unterwegs ist? Ist der Wind stark genug ein Segelboot einen Hang hinaufzutreiben?

Da ich bei Recherchen auf keine vergleichbaren Projekte gestoßen bin und somit auf keine Erfahrungswerte zurückgreifen kann, ist auch nicht klar, welche Risiken mich bei dieser Kunstexpedition erwarten werden.

Meine Faszination für diese Idee hat mich aber über die vergangenen Jahre angetrieben — und nun ist es soweit: In einer Woche wird der LAND SAILOR über die Straßen Patagoniens gleiten!

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DIE VORBEREITUNG
Sommer 2011 – Sommer 2013

60x40 Boot in der Pampa

Erste Projekt-Collagen (1-3)

Technische Durchführbarkeit
Nachdem ich mich dazu entschieden hatte, diese – zugegebenermaßen etwas verrückte – Idee in Angriff zu nehmen, musste ich zuerst versuchen herauszufinden, ob dieses Projekt überhaupt technisch umsetzbar sein würde. Da ich selbst zu diesem Zeitpunkt kein Know-How im Bereich Segeln hatte, war ich auf Expertenmeinungen angewiesen und verbrachte viel Zeit damit, zu recherchieren, welche Konditionen mich in Patagonien erwarten würden: Im Gegensatz zum Segeln auf dem Wasser wird es mir auf der Straße nicht möglich sein, gegen den Wind zu kreuzen.

Rückenwind
Zur der Zeit, als ich die Recherchen machte, fand ich mit Martin Kammerer von mark one einen Ingenieur und leidenschaftlichen Segler, der meine Idee zwar für recht verrückt hielt, aber dennoch nicht für unmöglich. Er war davon überzeugt, dass es möglich sein müsste, eine sichere Konstruktion zu entwickeln, um auf der Straße zu segeln. Dazu konnte er noch seinen Cousin Bernhard Sting von meinem Projekt überzeugen, der als Tüftler, Ingenieur und Mechaniker bestens dafür geeignet war, mit mir das Segelboot zum Straßenkreuzer umzubauen. Beide wurden schnell zu unersetzbaren Personen in der Vorbereitung meines Projektes, die durch ihr persönliches Engagement das Projekt ein großes Stück weiter gebracht haben.

60x40 Sturm zieht auf
Finanzierung
Die Finanzierung lief dagegen zunächst schleppend an. Der Versuch das Projekt über eine Crowdfundig-Seite mit privaten Spenden zu finanzieren, war erst einmal ernüchternd. Zwar habe ich auf diese Weise ca. 6.000,-€ eingenommen, aber im Verhältnis zum Gesamtbudget war es nicht genug, um das Projekt umzusetzen. Jedoch hatte die Crowdfunding-Aktion die gute Auswirkung, dass mein Konzept eine sehr positive Resonanz erhielt – vor allem aus der Kunstwelt. 80% der Spenden kamen von Künstlern oder Personen, die direkt mit der Kunstszene zusammenarbeiten – eine Bestätigung meiner Arbeit, die in diesem Moment sehr wichtig war und mich motivierte, nicht aufzugeben.

Mein sehr ehrgeiziger Plan, das Projekt noch im patagonischen Sommer 2012/2013 umzusetzen ließ sich jedoch nicht mehr einhalten und ich musste es deshalb um ein Jahr verschieben.

Ortswechsel?
Im Februar 2013 bin ich dann zum ersten Mal nach Buenos Aires geflogen, weil ich damals mit dem Gedanken gespielt hatte, die gesamte Produktion und den Bau des Landseglers nach Argentinien zu verlegen. Damals hatte ich einen super „Mechaniker“ gefunden. Ich traute ihm den Umbau ohne Weiteres zu. Letzten Endes entschied ich mich aber damals gegen die Produktion in Argentinien, weil brauchbare Segelboote dort um ein Vielfaches teurer waren. Erste Angebote, die ich mir von Speditionen einholte, veranschlagten für die Verschiffung meines Landseglers bis Argentinien und zurück, zwischen 5.000€ und 6.000€. Die teureren Produktionskosten in Argentinien entsprachen etwa den Transportkosten des Landseglers. Als Ausländer wäre allerdings die Organisation des ganzen Projektes in Argentinien ohne gute Spanisch-Kenntnisse um ein Vielfaches schwieriger gewesen.

60x40 Schlussbild

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DER UMBAU
Sommer 2013

Erste Versuche im Frühjahr 2013, Sponsoren für dieses Projekt zu gewinnen, blieben leider ebenfalls wenig fruchtbar. Obwohl es um die Finanzen des Projektes im Sommer 2013 noch sehr schlecht stand und noch nicht einmal ein Viertel der Kosten gedeckt war, habe ich mich entschieden, von Rio de Janeiro — wo ich mich mittlerweile fest niedergelassen hatte — für einige Monate nach Deutschland zurückzukommen und mit dem Umbau des Segelbootes zu beginnen; in der Hoffnung, dass sich im Machen neue Türen öffnen würden und neue Möglichkeiten der Finanzierung finden.

Neue Finanzierungsmöglichkeiten
Durch ein Sponsoring vonmark one — welches einen Großteil der Umbaukosten des Segelbootes beinhaltete — sowie durch Zugabe aller mir zur Verfügung stehenden privaten Mittel konnte ich ein kleines, gebrauchtes Segelboot kaufen und loslegen. Lange Zeit war es ungewiss, ob sich all der Aufwand und die Kosten lohnen würden. Ein Scheitern bei der technischen Umsetzung war nie ausgeschlossen. Dies wiederum hätte auch sehr leicht zu einem finanziellen Desaster führen können.

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Das neue Segelboot, das zum Landsegler umgebaut werden soll

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Das neue Segelboot auf einem Trailer zur Testfahrt

Bald erhielt ich wertvolle Unterstützung einiger Kuratoren und Museums-Direktoren in Deutschland, die versicherten, das LAND SAILOR-Projekt nach seiner Vollendung in ihren Institutionen zu präsentieren. Davon ging eine ungemeine Dynamik aus, wodurch plötzlich einiges möglich wurde. Durch die Unterstützung von Kunstinstitutionen und Ausstellungsmachern und durch die Tatsache, dass der Umbau des Bootes im Gange war, gelang es mir, neue Sponsoren für das Projekt zu begeistern. Darunter auch eine Filmförderung der MFG Baden-Württemberg, was für Videokunst sehr außergewöhnlich ist. Sofern nun alles nach Plan laufen würde, war erstmals sichergestellt, dass das die Grundkosten gedeckt sein würden. Aber wer kann bei einem solchem Projekt schon davon ausgehen, dass alles nach Plan läuft? Geld würde erst fließen, wenn ich nachweisen konnte, dass die gesamte Finanzierung (von mittlerweile 140.000€) komplett gedeckt sein würde (wovon ich zu diesem Zeitpunkt sehr weit entfernt war) und zudem gesichert sein würde, dass ich auch Bildmaterial liefern könne. Die Auszahlung der Förderung ist dabei an unglaublich viele Auflagen und Anforderungen gebunden, die einen Künstler auch sehr leicht überfordern können und zudem nur in Raten erfolgen, wodurch man sich absichert, dass eine Filmproduktion auch wirklich umgesetzt wird.2012-05-27 11.26.03

Erste Lenkung

Aus Wasser- mache Landsegler
Zeitgleich ging der Umbau des Bootes voran, wenn auch nicht ganz ohne Probleme. Es war auch hier nicht wirklich klar, ob das gewünschte Ziel jemals erreicht werden kann: Eine sichere Konstruktion, die mir ermöglicht, durch die Weiten Patagoniens zu segeln.

Wie wird gelenkt und wo befindet sich die Lenkung? Vorderradlenkung oder Hinterradlenkung? Hält man sich an die Konstruktion eines Autos und verwendet man möglichst viele vorgefertigte und erprobte Bauteile, oder konstruiert man ein komplett neues Fahrzeug, etwas nie dagewesenes? Meine künstlerische Vorstellung lag dabei oftmals sehr weit von der der Ingenieure und Konstrukteure entfernt.

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Der Unterbau/das Fahrgestell

Was passiert bei Seitenwind? Weht es das Boot einfach um? Wie breit soll die Achse sein, um dies zu verhindern und wie breit darf sie sein, um das Boot noch in einen Seecontainer zu bekommen? Aus einer einfachen Grundidee haben sich immer neue Fragen herausgebildet, für die es wichtig war, die richtigen Antworten zu finden.
Mehrfach haben wir im windlosen, deutschen Sommer die Lenkung und die Bremsen des Bootes getestet, indem wir auf einem umgebauten Trailer die erste Lenkungen angebaut haben und ihn an einem Fahrzeug über Feldwege geschleppt haben oder leicht Hügel hinab gefahren sind. Die Ergebnisse waren zumeist überzeugend. Aber erst in der letzten Testphase war es uns vergönnt, etwas Wind in unsere Segel zu bekommen und ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie es wohl in Patagonien sein könnte. Sogar eine leichte Steigung ist das Segelboot mit einem Leergewicht von 600kg hinauf gesegelt.IMG_2208

Testfahrt den Hang hinab, um die neue Lenkung zu testen

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Der fertige Landsegler

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ERSTE SCHWIERIGKEITEN
Sommer – Winter 2013

Argentinien ist nicht gleich Argentinien
Eigentlich sollte mein Landsegler gleich nach der Fertigstellung Ende September 2013 nach Feuerland, Argentinien — ans Ende der Welt — verschifft werden. Alles war dafür vorbereitet gewesen: mit der Reederei, der Spedition und dem Zoll von Ushuaia, Feuerland war alles Wesentliche abgeklärt.
Als ich jedoch mit international agierenden Kuratoren in Argentinien ins Gespräch kam, stellte sich heraus, dass es fast ein Ding der Unmöglichkeit sein würde, ein Segelboot mit Rädern aus der  Sonderwirtschaftszone in Feuerland nach Patagonien einzuführen. Wenn ich mein Boot in Ushuaia verzollen würde, so sei nicht gewährleistet, dass ich es dann auch auf das argentinische Festland bekommen würde – zumal ich davor noch die chilenische Grenze passieren müsste. Hier scheitern häufig schon reguläre Verzollungen von Autos, also zugelassenen Fahrzeugen.
Ich habe mich daher entschieden, mein Projekt auf dem patagonischen Festland beginnen zu lassen und nicht in Feuerland, dem südlichsten Zipfel Argentiniens. Nachdem ich von mehreren Personen bestätigt bekommen habe, dass die mir skizzierten Szenarien sehr realistisch seien, haben die eigentlichen Probleme aber erst begonnen.

Ein Land auf Alleingang
Um die Geschichte etwas abzukürzen: Ich habe lange Zeit keine Person/Spedition/Firma gefunden, die mir garantieren konnte, dass sie das Boot durch den Zoll nach Argentinien bekommen würde. Oder die Preisvorstellungen lagen weit außerhalb dessen, was meine Kostenkalkulation zugelassen hätte. Anders als in Feuerland wurde die Verzollung plötzlich zu einem ungeahnten Problem. Selbst eine Produzentin, die Jahre lang für das ZDF in Argentinien arbeitete, hat nach mehreren Wochen resigniert. Der Grund hierfür ist ein enormer Protektionismus, den die linke Regierung von Präsidentin Kirchner fährt, um die einheimische Wirtschaft vor ausländischen Produkten zu schützen. Auch die deutsche Botschaft und das Goethe-Institut Buenos Aires bestätigten mir, dass es im Augenblick äußerst schwierig sei, irgendetwas nach Argentinien einzuführen.

Drei Monate für eine Lösung, die doch keine war
 Nachdem das LAND SAILOR-Projekt also schon fast gescheitert war, konnte ich doch noch zwei unterschiedliche argentinische Produzenten mit den nötigen Kontakten zu Spediteuren und zum Zoll finden. Ihre Angebote lagen zwar immer noch weit über den ursprünglich veranschlagten Kosten, aber nicht außerhalb des Möglichen. Beide Produzentenfirmen hielten das Projekt und die Verzollung des Bootes für möglich.
Zusätzlich konnte ich das Sivori Museum in Buenos Aires für mein Projekt gewinnen, wo ich das Projekt nach Abschluss präsentieren werde. Darüber hinaus hatte ich einen Kontakt zum argentinischen Kultusministerium bekommen, der bei weiteren Problemen sehr hilfreich sein kann. Somit glaubte ich, nach langem Hin und Her, die Risiken weitestgehend reduziert zu haben und mein Projekt endgültig in Angriff nehmen zu können. Drei Monate hatte ich mich intensiv bemüht, diese Möglichkeit der Verzollung zu finden… Aber dann kam alles anders als erwartet.mapa_grn

Die geplante Route von Feuerland nach Buenos Aires

Das Unberechenbare
Kurz vor Weihnachten sollte das Boot nun auf die Reise über den Atlantik geschickt werden, spätestens aber nach Neujahr. Ich hatte mich für eine argentinische Produzentenfirma entschieden und sie gebeten, alles Weitere für die Verzollung vorzubereiten. Nach einigen Tagen kam jedoch die Rückmeldung, dass sie mir die Verschiffung doch nicht mehr empfehlen. Je mehr sie sich in die Materie eingearbeitet hatten, auf desto mehr Schwierigkeiten stießen sie. Ein neues Zollgesetz sei verabschiedet worden, das eine Einfuhr unberechenbar mache. Falls der Zoll das Boot nicht freigeben würde, fielen 375,00 € Hafengebühren pro Tag (!) allein für den Containerstandplatz an. Dazu kämen noch einmal Bestechungsgelder in unbekannter Höhe, um diesen Prozess etwas zu beschleunigen. Der ursprünglich veranschlagte Preis für die Containerverschiffung (Deutschland – Buenos Aires) in Deutschland und die Verzollung in Buenos Aires stiegen schlagartig von 5.000 € auf 12.000 €. Damit war jede Schmerzgrenze überschritten. Zumal ich bei diesem Angebot noch keine absolute Sicherheit gehabt hätte, ob nicht doch weitere Kosten für Bestechungen oder Hafengebühren hinzukommen würden; geschweige denn die Gewährleistung, dass der LAND SAILOR überhaupt den Zoll passieren könnte — ein hohes finanzielles Risiko ohne große Erfolgsaussichten.

Zur selben Zeit hat mich auch die Nachricht von einem Crew-Mitglied erreicht, dass er bis spätestens zum 20. März wieder zurück in Deutschland sein müsse, da er eine Dozenten-Stelle angeboten bekommen habe, die er nicht ausschlagen könne. Für einen weiteren Aufschub war also die Zeit schon abgelaufen, denn jedes Crew-Mitglied ist für mein Projekt unersetzlich.

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ZURÜCK AUF NULL
Winter 2013

Sollte ich den Landsegler nicht durch den Zoll bekommen, hätte ich auch keinen Anspruch auf die Gelder der Filmförderung und das finanzielle Risiko läge gänzlich bei mir. Zu diesem Zeitpunkt standen schon viele Kooperationen mit Museen fest. Auch eine kleine Erbschaft, die ich vor einem Jahr bekommen hatte, war komplett in das Projekt geflossen und meine eigenen finanziellen Mittel vollkommen erschöpft. Ich stand also vor der Entscheidung, das Projekt ganz aufzugeben oder alles zu riskieren und im schlimmsten Fall alles zu verlieren.

…oder doch einen ganz neuen Weg einschlagen? Nochmals von vorne anfangen? Mir die Kosten für die gesamte Verschiffung sparen und dafür in Argentinien ein neues Boot kaufen und zum zweiten Mal ein Segelboot zum Landsegler umbauen? Verrückt!

So abwegig die Idee zu erst erschien: Die Kosten würden sogar geringer ausfallen als die Kosten für den Transport des Bootes aus Deutschland nach Argentinien. Aber zuerst einmal scheute ich diesen Aufwand. In Deutschland haben wir in einem Zeitraum von drei Monaten das Boot gekauft und Testfahrzeuge gebaut, um die Lenkung zu testen. Auch war es schon dort nicht immer einfach, alle Teile für das Fahrwerk kostengünstig und schnell zu finden, und es ist wahrscheinlich den Improvisationskünsten meines schwäbischen Tüftlers und Mechanikers zu verdanken gewesen, dass alles rechtzeitig fertig war. Wie sollte das in einem Land funktionieren, dessen Sprache ich nicht perfekt beherrsche, in einer noch viel kürzeren Zeitspanne, die sich dazu noch über die argentinischen Sommerferien zog, wo eigentlich fast kompletter Stillstand herrscht?

Buenos Aires – Geburtsstätte des neuen Landseglers
Sollte also Mariano, der Mechaniker, den ich im Februar 2013 ausfindig gemacht habe, spontan mit seinem Team von mehreren Mechanikern Zeit haben, um den Umbau zu machen und die argentinischen Produzenten über die Weihnachtsfeiertage ein gutes, bezahlbares Boot für mich in Buenos Aires finden, dann war es für mich eine Option, nochmals von vorne anzufangen. Aber dafür mussten viele glückliche Umstände zusammenspielen — und dieses Mal war das Glück auf meiner Seite. Vielleicht kann man sogar sagen, dass sich die Dinge so gefügt haben, denn im Nachhinein betrachtet waren es so viele Dinge, die zusammengepasst haben, dass man eigentlich nicht mehr nur noch von glücklichen Zufällen reden kann.

Mariano hatte im Januar Urlaub und noch immer Lust an meinem Projekt mitzuarbeiten. Auch seine Mitarbeiter ließen die Ferien sausen. Er hielt es für möglich, den Umbau mit 3-4 weiteren Arbeitern in drei Wochen zu schaffen, da wir auf die Erkenntnisse in Deutschland zurückgreifen und diese sogar noch verbessern könnten. Das veranschlagte Budget stimmte auch. Außerdem wusste ich, dass er mit Deadlines umgehen kann, da er normalerweise Auftragsarbeiten für Theater und Kinoproduktionen machte.

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Werkstatt von Mariano, dem argentinischen Mechaniker

Gute Aussichten
Auch Nico, mein Produzent, fand einige Segelboote, die für mein Projekt in Frage kamen und versorgte mich über die Feiertage bis Neujahr mit immer neuem Bildmaterial von Booten, die er besichtigte. Außerdem sicherte mir Nico zu, dass er den ganzen Januar nur für die Realisation meines Projektes und den Umbau zur Verfügung stünde und die Mechaniker bei der Suche nach den richtigen Bauteilen unterstützen würde.

Diese Umstände führten dazu, dass ich das Abenteuer “Boot zum einem Landsegler umbauen”, dem Abenteuer  “Verschiffung & Verzollung” vorzog und mir einen Flug für den 9. Januar 2014 nach Buenos Aires buchte. Zu diesem Zeitpunkt sollte das Boot schon gekauft sein und in der Werkstatt von Mariano stehen. Die Ankunft meines Filmteams war für Ende Januar vorgesehen, damit wir noch gemeinsame Testfahrten in der Nähe von Buenos Aires machen konnten, ehe die Dreharbeiten um den 9. Februar in Patagonien beginnen sollten.

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Das zweite Segelboot, umgeben von Seerosen und Wasserpflanzen – als ob es sich an seine neue Position auf dem Land schon einmal gewöhnen möchte

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